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Aktuelles

„Ziemlich beste Unternehmer – Gründung und Selbständigkeit für Menschen mit Handicap“ heißt das aktuelle Förderprojekt des Aktivsenioren Bayern e.V. Dazu gibt es am 15. Mai im Münchner Haus des Stiftens ein erstes Symposium. Mit dabei: Adam Merschbacher, der uns im Interview sein Geschäftsmodell erläutert.

Herr Merschbacher, dass Sie mit 66 Jahren noch einmal als Unternehmensgründer durchstarten wollen, ist ungewöhnlich. Was treibt Sie dabei an?
Merschbacher: Das grundlegende Konzept habe ich schon vor 15 Jahren entwickelt.

Die Idee, eine Fachgeschäftskette für Sicherheit und Brandschutz aufzubauen, ist aus meiner jahrzehntelangen intensiven Beschäftigung mit diesen beiden Themen, insbesondere als Fachbuchautor für namhafte Verlage und als Sachverständiger für Sicherheitstechnik entstanden. Leider konnte ich es nicht persönlich umsetzen, weil sich meine MS-Erkrankung (Multiple Sklerose) in den letzten Jahren so verschlechtert hat, dass ich auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen bin. Jetzt sehe ich eine neue Chance, weil ich meinen 26-jährigen Sohn, der vor der Elektromeister-Prüfung steht, als Nachfolger aufbauen kann. Er hat alle wesentlichen Schulungszertifikate, so dass er als Projektleiter in die Beratung und Planung einsteigen kann.

Wie sieht das Geschäftskonzept konkret aus? Worin besteht das Alleinstellungsmerkmal?
Wir wollen Sicherheitstechnik und Brandschutz – und zwar sowohl Mechanik (wie etwa Sicherheitstüren oder Brandschutzfenster) als auch Elektronik (zum Beispiel Alarmanlagen oder Überwachungssysteme) – aus einer Hand anbieten. Das gibt es bisher noch nicht. Die Kunden, die Gebäude entsprechend ausrüsten und planen, sollen für ihre individuellen Anforderungen und Bedürfnisse maßgeschneiderte Lösungen erhalten. Unser Angebot reicht deshalb von der Beratung, Planung und Projektbetreuung bis zur Installation.

Können Sie etwas genauer erklären, wo für den Kunden der Vorteil der Kombination von Sicherheit und Brandschutz liegt?
Meine Stärke liegt in der Schnittstelle. Ein Beispiel: Jemand braucht eine Brandschutztür, dazu benötigt er aber auch ein Schließ- bzw. Türöffnungssystem, und das fällt in den Bereich Sicherheit. Beides soll aber optimal zusammenpassen. Solche Schnittstellenprobleme gibt es in der Praxis zuhauf. Hausverwaltungen, Hotels und Krankenhäuser, Projektplaner und Architekten können ein Lied davon singen. Sie sind unsere Zielgruppe und sie werden uns die Türen einrennen, weil sie es nur mit einem Partner zu tun haben, der sich um das gesamte Problemspektrum kümmert. Beim Geschäftsaufbau kann ich meine Bekanntheit in der Branche und meine Kontakte zu potenziellen Kunden nutzen.

Wo wollen Sie in diesen Zeiten des eklatanten Fachkräftemangels entsprechend qualifizierte Fachberater, Außendienstler und Installateure herkriegen?
Alle neu einzustellenden Mitarbeiter, die natürlich über eine technische Ausbildung – etwa im Bereich Metall, Elektromechanik oder Elektronik – verfügen sollten, werden sowohl im Brandschutz als auch im Bereich Sicherheit geschult. Mitarbeiterauswahl und -training werden meine Aufgabe sein. Darauf folgen individuelle, herstellerbezogene Schulungen, die ich begleiten werde. Ich bin überzeugt, wenn wir die so qualifizierten Mitarbeiter gut bezahlen, werden wir ausreichend geeignete Fachkräfte finden.

Durch das MS-Handicap sind ihrem Engagement als Unternehmensgründer physische Grenzen gesetzt. Können Sie die Unternehmensführung dennoch sichern?
Ja. Mein entscheidender Beitrag dazu ist meine Fachkompetenz, die ich vor allem als Coach meines Sohnes, bei der Mitarbeiterschulung und Qualitätssicherung, aber auch bei der Begleitung der Implementierung und der Überwachung der Detailplanungen einsetzen werde. Ich bleibe dabei im Hintergrund. Die Geschäftsführung soll ein externer Diplom-Kaufmann übernehmen. Nach außen wird mein Steuerberater als treuhänderischer Gesellschafter auftreten. Die Nachfolge ist von Anfang an durch meinen Sohn gesichert.

Wie sind Sie auf den Aktivsenioren Bayern e.V. und dessen Förderprojekt „Ziemlich beste Unternehmer“ gestoßen?
Das war in der Tat eine glückliche Fügung, weil ich bei einem Schafkopfturnier im Maximilianeum 2019 einen Aktivsenior am Tisch hatte, der mich auf die Leistungen und Stärken dieses Vereins aufmerksam gemacht hatte. So kam es zum ersten Kontakt, aus dem sich ein für mein Vorhaben sehr fruchtbares Coaching entwickelte.

Wie weit wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
In den bisher gelaufenen Beratungsmeetings ging es vor allem um Anregungen für die Überarbeitung des kompletten Businessplans und eine auf das Wesentliche konzentrierte vierseitige Kurzpräsentation für die Kreditentscheider. Mit dem früheren Brandschutz-Chef von Siemens und dem AS-Vereinsvorsitzenden saßen erfahrene Experten mit am Tisch. Und auch ein neuer, besser klingender Firmenname (MABES) ist in dieser Runde entstanden.

Wie geht es nun weiter?
Die größte Herausforderung sehe ich in der Finanzierung. Für die erste Stufe, den Start der Münchner Niederlassung und Zentrale, brauche ich etwa 2 Millionen Euro. Um Kredit- und Kapitalgeber zu überzeugen, ist ein tragfähiger Businessplan entscheidend, der nicht nur im Detail sorgfältig ausgearbeitet ist, sondern das Geschäftskonzept und seine Chancen im Wettbewerb auch für einen Branchenfremden verständlich kommuniziert. Gerade in meinem Fall müssen die Entscheider zudem überzeugt sein, dass die Pläne trotz meines Alters und Handicaps realisierbar sind.

 


Zur Person

Als Elektromeister gründete Adam Merschbacher 1979 einen Schlüsseldienst, den er zwölf Jahre später veräußerte, und qualifizierte sich als Sachverständiger für Sicherheitsanlagen. Danach begleitete er als Bankmediator Schuldner in den Verhandlungen mit den Gläubigern, zum Beispiel über teilweisen Schuldenerlass oder Tilgungserleichterungen. Einen Namen hat er sich als Fachautor für Sicherheitstechnik und Brandschutz gemacht. Und auch über das Schafkopfen hat der gehandicapte (MS) Entrepreneur schon ein Lehrbuch veröffentlicht. Aus seiner Feder erscheint demnächst auch ein Werk, das sich dezidiert mit der Thematik Existenzsicherung für Menschen mit Behinderung beschäftigt.